Der deutschpolnische Jugendaus-tausch hat für die AKSB einen hohen Stellenwert.
Sie ist zuständig für die deutschen Projekte von katholischen Trägern, wie etwa von der Akademie Klausenhof in Hamminkeln, die dieses Jahr die Weiterbildungskonferenz zum deutsch-polnischen Jugendaustausch beherbergt hat. Rund 50 Projektträger des deutsch-polnischen Jugendaustausches waren auf Einladung der AKSB und des Jugendhauses Düsseldorf in die Akademie Klausenhof gekommen, um über das weitere Vorgehen zu sprechen, neueste Informationen und Erfahrungen auszutauschen. Eine Konferenz, die nur Positives zu vermelden hatte - was noch vor einem Jahr ganz anders aussah. Da attackierte die damalige polnische Regierung das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW), wollte die Absetzung des polnischen Geschäftsführers erreichen und verschleppte die Genehmigung der Mittel.
„Immunsystem" für deutschpolnische Beziehungen
Jetzt gibt es eine neue Regierung in Warschau, und die deutsch-polnische Zusammen-arbeit läuft wieder problemlos: „Wir haben nun grünes Licht von beiden Regierungen erhalten", konnte darum Botschaftsrätin Małgozata Ławrowska (siehe Foto li.) von der polnischen Botschaft in Berlin auf der Weiterbildungskonferenz verkünden. Nach wie vor komme Deutschland ein hoher Stellenwert zu. Dies könne z.B. daran erkannt werden, dass direkt nach der Wahl 2007 wichtige polnische Minister nach Deutschland gereist seien.
Auch die Arbeit des DPJW werde nachhaltig unterstützt. Der deutsch-polnische Jugendaustausch sei ein „Immunsystem" in den deutschpolnischen Beziehungen, betonte die Botschaftsrätin. Die polnische Botschaft in Berlin bemühe sich, durch gute Produkte und Initiativen das deutschpolnische Verhältnis und das Ansehen von Polen in Deutschland weiter zu verbessern. Hilfreich seien aber auch Aktionen, die nicht durch die Botschaft initiiert würden, z.B. die Veröffentlichung von Steffen Möller „Viva Polonia". Andere Publikationen würden ebenfalls helfen, wie die Zeitschrift „Dialog" oder „Polen Plus". Daneben ständen Filme wie „Katyń" vom polnischen Regisseur Andrzej Wajda, der 2008 für den Oscar nominiert war, oder „Am Ende kommen die Touristen" von Robert Thalheim.
Um ein gemeinsames Verständnis zu erweitern, sei ein deutsch-polnisches Geschichtsbuch in der Projektphase. An der Entwicklung solle auch die Kultusministerkonferenz beteiligt werden sowie eine gemeinsame Schulbuchkommission.
Am 1. Juni 2008 wurde der Vertrag für die deutsch-polnische Wissenschaftsstiftung unterschrieben. Diese solle insbesondere geisteswissenschaftliche Initiativen im grenznahen Raum unterstützen. Auch wolle die Botschaft der Republik Polen einen Förderpreis für den Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften herausgeben. Mit ihm sollen Dissertationen, Magisterarbeiten etc. ausgezeichnet werden, die sich mit dem deutsch-polnischen Verhältnis beschäftigen. Ab 2009 solle dieser Preis auch bundesweit ausgeschrieben werden. Unterstützen wolle die Botschaft nach Aussagen der Botschaftsrätin auch den Polnischunterricht in Deutschland. Umgekehrt könne der Aufenthalt von deutschen Lehrern in Polen gegebenenfalls über das DPJW (drei Monate) oder mit einem Mobilitätsstipendium der EU über das Förderprogramm Comenius gefördert werden.
Nach der Krise: Zunkunft für den deutsch-polnischen
Jugendaustausch
Kommunikationsmethoden in der Anwendung
Auch der neue deutsche DPJW-Geschäftsführer Stephan Erb konnte berichten, dass nunmehr die Arbeit auf institutioneller Ebene wieder reibungslos laufe. Die Krise habe auch ihr Gutes gehabt: Es hätte sich gezeigt, dass die jungen Leute in Deutschland und Polen nicht zuletzt durch die rund 3500 vom DPJW geförderten Begegnungspro-jekte solchen Angriffen standhalten können. Auch hätten sich insgesamt auf vielen Ebenen die deutsch-polnischen Kontakte weiter verbessert. Das Interesse am deutsch-polnischen Aus-tausch sei zwar weiterhin ungebrochen, doch nehme die Anzahl der Teilneh-menden auf polnischer Seite leicht ab. Dies liege daran, dass polnische Jugendliche vermehrt andere Reiseziele im europäischen Raum aussuchen, wie z.B. Irland, England und Frankreich. Umso wichtiger sei daher eine Qualitätssteigerung der Angebote im deutsch-polnischen Jugend- und Schulaustausch.
Das dem DPJW zur Verfügung gestellte Budget reiche aus Sicht Erbs für die Förderung aller Begegnungen allerdings nicht aus. Die Politiker müssten daher davon überzeugt werden, dass in der Zusammenarbeit eine neue Qualität und neue Ziele vereinbart werden müssten. Nur so könne man den Folgen des zunehmenden Ganztagsschulbetriebs entgegenwirken, der die zeitlichen Möglichkeiten für Jugendbegegnungen erheblich einenge.
Ein großes Hindernis ist für viele deutsche Jugendliche vor allem die polnische Sprache. Deshalb stand auf der Tagesordnung der Konferenz auch ein kleiner Polnischunterricht, so AKSB-Geschäftsführer Lothar Harles, da die Sprache kein Hindernis für die Verständigung sein solle. Die Projektleiter sollten lernen, wie sie ihren Jugendlichen beibringen können, sich mit ein paar polnischen Wörtern und mit Händen und Füßen zu verständigen. In Kleingruppen beschäftigten sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Themen, u.a. Medienkompetenz, Mentalität und nonverbaler Kommunikation, Fragen der Evaluation sowie der gemeinsamen deutsch-polnischen Geschichte. Ebenfalls in Gruppen wurde das Förderverfahren für die Beantragung von Zuschussmitteln beim DPJW erläutert und die Fragen der Teilnehmenden beantwortet.
Ehemaligenarbeit für die Perspektiventwicklung im DPJW wichtigAus Sicht von Harles ist die Ehemaligenarbeit für die Perspektiventwicklung im DPJW wichtig. Das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen habe sich weiterentwickelt von der Polenhilfe hin zur gleichberechtigten Begegnung. Es sollte der Frage nachgegangen werden, warum sich Ehemalige immer noch mit Polen beschäftigen und wie ein Generationenwechsel gestaltet werden könne. Am Ende der Tagung zeigten sich die Teilnehmenden zufrieden mit den unterschiedlichen Anregungen, die sie aus der Konferenz mitnehmen konnten. Sie erachteten es als wichtig, dass persönliche Kontakte geknüpft werden konnten, sowohl zwischen den Teilnehmenden als auch zu den Zentralstellen.
Für die nächsten Treffen wurde angeregt, sich u.a. mit spirituell-religiösen Themen auseinanderzusetzen sowie mit der Frage, wie der Generationenwechsel bei den Verantwortlichen im Austausch vollzogen werden kann. Ein historisches Datum wird den deutsch-polnischen Jugendaustausch im nächsten Jahr noch besonders beschäftigen: Das Gedenken an den Ausbruch des Krieges durch den Überfall deutscher Truppen auf Polen am 1. September 1939.