Leitfaden zur Situation der Geschlechter an Fachhochschulen
St. Gallen. «Gender Mainstreaming an Hochschulen» heisst ein soeben erschienener Leitfaden, den die FHS St. Gallen erarbeitet hat. Der Inhalt vermittelt Dozierenden eine Brücke zwischen Theorie und praktischer Anwendung.
«Die Chancengleichheit für Frauen und Männer ist ein gesellschaftlicher Prozess, der uns alle angeht», betont Ursula Graf, Leiterin der Fachstelle für Chancengleichheit an der FHS St. Gallen.
Bei allen Fragen präsent
Bereits 2002 startete die Hochschule für Angewandte Wissenschaften ein umfangreiches Projekt. «Wir setzten uns zum Ziel, Genderwissen verstärkt in die Lehre zu integrieren und in der Hochschulorganisation zu verankern.» Schliesslich erarbeitete ein interdisziplinäres Team den soeben erschienenen Leitfaden. Er baut eine Brücke von der Theorie zur praktischen Anwendung. Mit Hilfe des Leitfadens kann aber auch das Hochschul-Management prüfen, ob die schulinternen Rahmenbedingungen und Prozesse genderkonform sind.
«Hinter dem Begriff <Gender Mainstreaming> verbirgt sich die anspruchsvolle Aufgabe, die verschiedenen Blickwinkel und Lebenswirklichkeiten von Frauen und Männern in allen Bereichen und Prozessen der Hochschule zu berücksichtigen», sagt Ursula Graf. Die Frage, ob und in welcher Form sich Strukturen, Prozesse, Massnahmen unterschiedlich auf Männer und Frauen auswirkten, sollte selbstverständlich werden.
Gendersensible Haltung
Die ersten drei Kapitel des Leitfadens beziehen sich auf die Gestaltung des Unterrichts im engeren Sinne. Sie geben Anregungen und stellen Fragen zu Inhalten, Didaktik und Interaktionen. Das vierte Kapitel richtet sich vor allem an Personen mit Leitungsfunktionen und dient der Reflexion des Lehr- und Lernumfeldes. Eine gendersensible Haltung sei ein ständiger Auseinandersetzungsprozess, der immer wieder herausfordere, sagt Ursula Graf.
Warum es noch immer Anstrengungen braucht, untermauert die Leiterin der Fachstelle mit Zahlen. Im Fachbereich Wirtschaft sind an der FHS St. Gallen nur 30 Prozent der Studierenden Frauen. In den Bereichen Soziale Arbeit und Gesundheit sind sie mit 75 bzw. 80 Prozent stark übervertreten. Bei den Dozierenden halten die Frauen einen Anteil von 30 Prozent. Ausgeglichen ist das Verhältnis hingegen in der Hochschulleitung der FHS St. Gallen.
«Gender Mainstreaming an Hochschulen» ist der erste Leitfaden seiner Art in der Schweiz.
Article from Claudia Schmid, published in www.tagblatt.ch on September 24 2007